Behandlung von Essstörungen

Folgende Essstörungen werden unterschieden und werden von meinem Behandlungsspektrum abgedeckt:

Bulimia Nervosa (Bulimie)

Klientinnen mit einer Bulimie leiden unter häufigen Essanfällen (mindestens zwei Wochen über einen Zeitraum von drei Monaten). Während eines Essanfalls werden große Mengen in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum gegessen. Die Essanfälle gehen mit einem Kontrollverlust einher. Nach dem Essanfall schämen sich die Betroffenen über ihr Verhalten und verurteilen sich selbst. Ein weiteres Kriterium ist die Anwendung von kompensatorischen Maßnahmen, die einer Gewichtszunahme entgegensteuern, vor allem das selbstinduziertes Erbrechen. Durch das häufige Erbrechen kann es zu einer Verschiebung des Kaliumspiegels kommen, was die ernste Gefahr von Herzrythmusstörungen bis hin zu Herzversagen in sich birgt. Finden keine Gegenmaßnahmen nach einem Essanfall statt, spricht man von einer Binge-Eating-Störung.

Das typische Symptom der Ess-Brech-Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa) sind die wiederkehrenden Heißhungerattacken. Es kommt zum anfallsartigen, hastigen Hinunterschlingen von hochkalorischen Nahrungsmengen. meist sind die Betroffenen normalgewichtig, haben aber große Angst vor der Gewichtszunahme, dem „Dickwerden“; man kann das als „Gewichtsphobie“ umschreiben. Sie ergreifen deshalb ungesunde Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, das zunächst manuell provoziert und später reflexhaft abläuft. Zwischen den Essattacken wird streng Diät gehalten.

Die Ess-Brech-Sucht kann auf körperlicher Ebene zu Störungen des Elektrolyt-Stoffwechsels, zu Entzündungen der Speiseröhre, zu Zahnschäden sowie zu Mangelerscheinungen führen. Eventuell sind Schwielen an den Fingern, oder Läsionen am Handrücken durch wiederholtes manuelles Auslösen des Würgereflexes sichtbar.

Auf der psychischen Ebene finden sich , ähnlich wie bei der Anorexie Symptome der Depression, Ängste und zwanghaftes oder selbstschädigendes Verhalten.

Anorexia Nervosa (Magersucht)

Betroffene mit einer Anorexia Nervosa haben ein sehr niedriges Körpergewicht im Verhältnis zu ihrer Körpergröße (BMI ≤ 17,5 kg/m2). Das Untergewicht wird durch Fasten, exzessiven Sport, Erbrechen, Abführmittel und/oder Appetitzügler selbst herbeigeführt. Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist eine große Angst vor einer Gewichtszunahme. Gewicht und Figur spielen eine sehr große Rolle für das Selbstwertgefühl der Frauen oder Mädchen. Dabei nehmen sie ihr Gewicht und ihre Figur häufig verzerrt wahr und fühlen sich trotz bestehenden Untergewichts zu dick (Körperschemastörung). Des Weiteren setzt bei Frauen die Regelblutung aus. Der Stoffwechsel arbeitet nur sehr langsam. Frauen mit Untergewicht frieren schnell und manchmal können sie nicht ruhig sitzen, weil sitzen auch weh tut. Auch Essanfälle können bei einer Anorexie auftreten. Oft ist es den Betroffenen lange nicht bewusst, dass Magersucht eine Krankheit ist und dass eine professionelle Behandlung notwendig ist. Die Stimmung ist oft ängstlich und auch niedergedrückt. Die Anorexia kommt auch bei Männern vor.

Restriktives Diäthalten bis hin zur völligen Nahrungsverweigerung ist das Kennzeichen dieser Erkrankung. So wird der Gewichtsverlust absichtlich selbst herbeigeführt. Durch Hungern und Kalorienzählen wird versucht, dem Körper möglichst wenig Nahrung zuzuführen, durch körperliche Aktivitäten soll der Energieverbrauch gesteigert werden. Die betroffene Person sieht dabei den eigenen körperlichen Zustand häufig nicht, sie empfindet sich als zu dick, auch noch mit extremem Untergewicht (Körperschemastörung).

Magersucht ist durch ein auffälliges Essverhalten der Patienten gekennzeichnet: sie brauchen sehr lange für die geringste Menge an Speisen, oder zerpflücken diese. Der Gewichtsverlust kann bis zur völligen Kachexie (Auszehrung) reichen.

Körperliche Folgen der Magersucht sind Unterernährung, Muskelschwund und Mangelernährung. Langzeitfolgen sind beispielsweise Osteoporose , Verschiebungen im Elektrolyt-und Hormonhaushalt, sowie Unfruchtbarkeit, Haarausfall.

Psychische Folgen sind Angst, Depressionen oder Zwangssymptome.

Anorexie Patienten sind zu 90% junge Mädchen in der Pubertät oder im jungen erwachsenen Alter. Die Zahl der männlichen Patienten in den gleichen Alterstufen nimmt zu.

Atypische Essstörung und Binge-Eating-Störung

Es gibt Essstörungen, die die Diagnosekriterien für eine Anorexia Nervosa oder Bulimia Nervosa nicht vollständig erfüllen, aber trotzdem behandlungsbedürftig sind. Hierbei spricht man von einer Atypischen Anorexie oder Atypischen Bulimie. Zudem gibt es auch die sog. Nicht näher bezeichnete Essstörung (Essstörung NNB). Eine Sonderform der Essstörung NNB ist die Binge-Eating-Störung.

Betroffene mit einer Binge-Eating-Störung haben genau wie Bulimiker wiederholt Essanfälle mit Kontrollverlust. Im Unterschied zu Patienten mit Bulimie führen Binge-Eating-Patienten keine gegensteuernden bzw. gewichtskontrollierenden Maßnahmen (z.B. Erbrechen etc.) durch. Nach den Essanfällen treten Schuld- und Schamgefühle auf. Eine Binge-Eating-Störung wird diagnostiziert, wenn solche Essanfälle mit Kontrollverlust mindestens zwei Mal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auftreten.

Essattacken treten im Zusammenhang mit suchtartigen Heißhungergefühlen auf, wobei der Suchtcharakter der Essstörung umstritten ist. Von Binge Eating wird gesprochen, wenn während mindestens sechs Monaten an zumindest zwei Tagen pro Woche ein Anfall von Heißhunger auftritt, bei dem in kürzester Zeit ungewöhnlich große Mengen an Nahrungsmitteln aufgenommen werden. Der Betroffene verliert die Kontrolle über die Nahrungsaufnahme.

Außerdem müssen mindestens drei der folgenden sechs Bedingungen zutreffen:

  • Essen, ohne hungrig zu sein
  • Besonders schnelles essen
  • Essen, bis ein unangenehmes Gefühl einsetzt
  • Allein essen, um Gefühle von Schuld und Scham zu vermeiden
  • Die Ess-Anfälle werden als belastend empfunden
  • Nach dem Ess-Anfall treten Gefühle von Ekel, Scham oder Depressionen auf

Obwohl die Essattacken jeweils nur kurz dauern, kann BED (Binge Eating Disorder) zu Adipositas führen. Von der Bulimie unterscheidet sich BED durch die ausbleibenden Maßnahmen, eine Gewichtszunahme durch Erbrechen, Sport oder Fasten zu verhindern.

Doch auch depressive Symptome, sowie Ekel oder Schuldgefühle sind hier zu beobachten.

Wie äußert sich eine Essstörung?

Das gemeinsame Kernsymptom der Anorexie und Bulimie ist die Störung der Körperwahrnehmung. Besonders anorektische Patienten überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz (extremen) Untergewichts für zu dick.

Die Körperschemastörung steht im Zusammenhang mit dem gestörten Essverhalten. So werden vermeintlich hochkalorische Nahrungsmittel vermieden und es kommt- besonders nach Heißhungerattacken der Bulimie – zum Versuch, zu viel aufgenommene Nahrung wieder loszuwerden. z.B. durch selbstinduziertes Erbrechen, Abführmitte, Einnahme von Diuretika

Was sind die Ursachen für Essstörungen?

Bei der Entstehung einer Essstörung ist von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen:

  • Soziokulturelle Faktoren: das in unserer Gesellschaft vorherrschende Schönheitsideal spielt hier eine große Rolle
  • Gestörte Beziehungen im Familiensystem wirken unbewusst oder bewusst auf den Patienten ein
  • Genetische Faktoren sind möglich
  • Traumatische Erlebnisse in der Kindheit (besonders bei Bulimie-Patienten)
  • Hoher Stellenwert von Leistungsorientierung in der Familie (überwiegend bei anorektischen Patienten)
  • Persönlichkeitsfaktoren